Wildbienen – Die wilden Verwandten von Maja

Die wilden Verwandten von Maja

Da es draußen nass und grau in grau ist, und ich nichts Vernünftiges auf „Terrassien“ tun kann, dachte ich mir, dass ich heute etwas über unsere heimischen Wildbienen schreiben könnte. Es wird immer ein großes Aufhebens um das „Haustier“ Honigbiene gemacht, aber über die „Wilden“ findet sich kaum etwas. Dem kann abgeholfen werden. 😉

Es gibt weltweit ca. 30.000 unterschiedliche Arten, in Österreich treten um die 700 Arten auf (in Wien sind es ca. 466). Das ist eigentlich sehr viel, aber leider wurden viele Arten seit Jahrzehnten nicht mehr gesichtet… Dabei sind Wildbienen einer der wichtigsten Bestäuber überhaupt. 88% aller Wildpflanzen und 70% der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen werden von ihnen bestäubt. Im Gegensatz zur Honigbiene sind sie effizienter, da sie gleichzeitig Nektar und Pollen sammeln und bei viel niedrigeren Temperaturen als Honigbienen ausfliegen (was bei Obst durchaus einen großen Unterschied machen kann).

Was sind nun „Wildbienen“?

Wildbienen sind Insekten und gehören zu den Hautflüglern (Hymenoptera) und weiterhin zu den Stechimmen (d.h. alle weiblichen Wildbienen können stechen!) und zu guter Letzt zu den Apoidea (= „bienenähnlich“), was somit alle Wespen ausschließt. Somit gehören zu den Wildbienen alles was irgendwie „Biene“ heißt und auch meinen Namensvettern, die Hummeln 😉 Nur die Honigbienen sind ausgenommen. „Wildbiene“ ist eigentlich kein Begriff der Biologie, sondern wird nur verwendet, weil „Biene“ im allgemeinen Sprachgebrauch ausschließlich „Honigbiene“ meint.

Wildbienen sind unglaublich anpassungsfähig und ihre Erscheinung ist sehr vielfältig. Die kleinste österreichische Biene, die Steppenbiene ist gerademal 4 mm groß, während die größte heimische Art, die blauschwarze Holzbiene, bis zu 3 cm groß wird (das sind ordentliche Brummer, ich habe die selber bei mir auf der Terrasse, sie lieben Muskatellersalbei!). Einige Hummelköniginnen erreichen diese Maße und Masse aber auch (mich wundert immer, dass die dicken Flauschebällchen überhaupt noch fliegen können).

Die meisten Wildbienen (ausgenommen viele Hummeln), leben fast immer solitär, d.h. sie bilden keine Kolonien und keine gemeinsamen Nester. Jede weibliche Biene ist nur für ihre Nachkommen zuständig und kümmert sich daher nicht um andere. Wildbienen (wieder angenommen die Hummeln 😉 ) produzieren auch keinen Honig, sondern sie sammeln Pollen, um damit ihren Nachwuchs zu versorgen.

Warum verschwinden Wildbienen nun immer mehr?

Zwei Dinge sind da ausschlaggebend. Nahrungsangebot und Nistangebot. Fast die Hälfte der Wildbienen sind nur auf eine Pflanzengattung oder Pflanzenfamilie spezialisiert (nur Lauchgewächse, nur Efeugewächse, nur Kardengewächse, nur Hahnenfußgewächse und und und). Je mehr daher ein Garten oder Balkon „aufgeräumt“ ist, desto weniger Nahrung finden die Bienchen.
Und zweitens werden ihre Lebensräume und Nistmöglichkeiten immer weniger. Mauer- und Pelzbienen brauchen unverputzte Gemäuer und Hohlräume, manche brauchen festgetretene Erde, andere, wie Blattschneidebienen, beißen Blatt- und Blütenstückchen ab um ihre Erdbauten damit auszukleiden (und sind somit vielen ein Dorn im Auge und werden mit Giften bekämpft, weil „die machen die Blumen kaputt“), manche brauchen Totholz, wie die Holzbienen und manche vertrockneten Stängel.

Je „wilder“ es also ausschaut, desto eher siedeln sich Wildbienen an. Keine Sorge, den Bienchen reichen ein paar Quadratmeter, wo sie ungestört sein dürfen, den ganzen Rest dürfen weiterhin Sie bewirtschaften 😉 .

Wie können wir den Wildbienen und Hummeln nun helfen?

Ich habe zum Beispiel ein paar Mörteltröge an einer relativ unzugänglichen Stelle, und habe dort einen Trockenrasen angelegt (nicht, dass ich dort nicht auch gießen müsste, wenn es sehr heiß ist). Das heißt, ich habe Sand und Lehm und Erde 1:1:1 gemischt und da drauf eine Blühmischung für trockene Standorte ausgebracht. Jetzt wachsen in den Trögen, wilde Karde, Mageriten, wilde Möhren und anderes. Außer gießen tue ich nix. Und im Frühling (so ab März) wird alles mal ratzeputz abgeschnitten. Daher können sich die Blümchen aussamen und die Insekten haben Überwinterungsmöglichkeiten (und der Stieglitz freut sich über die Kardensamen). Es ist nur wichtig, dass man den Schnitt auch wegräumt, denn je nährstoffarmer der Boden, desto eher gibt es Blümchen (die mögen meistens keine überdüngten Flächen).

Dann kann man den Bienchen noch mit Nistmöglichkeiten helfen. Bitte, bitte, selber machen. Die meisten „Insektenhotels“ die man kaufen kann, sind völlig ungeeignet und werden eh nie besiedelt. Hier sind ungeeignete Bespiele gut erklärt: www.wildbienen.info/artenschutz/untaugliche_nisthilfen A und hier www.wildbienen.info/artenschutz/untaugliche_nisthilfen_B
Wenn man eh Brennholz hat, kann man dieses an den Seiten mit unterschiedlich dicken Bohrern bearbeiten. (Keine Nadelhölzer!). Meine Bienchen lieben das 🙂 . Oder auch regengeschützte Pappröhrchen (die hinten unbedingt zu sein müssen! Stopfen aus Klopapier langt 😉 ) werden gerne angenommen. Und und und 😉 Und eigentlich einfach die Bienen machen lassen und nicht vertreiben oder gar vergiften.

Noch was, Wildbienen stechen eigentlich nicht. Wenn sie können, fliehen sie. Meine Flauschis (Mauerbienen) sitzen im Frühling immer auf mir, um sich aufzuwärmen. Ich finde das sehr herzig.

Und für die knallharten Rechner, mein Obst- und Gemüseertrag ist mit den Wildbienen und Hummeln deutlich angestiegen.

Und als absolute Empfehlung, dieses Buch: Wilde Bienen Buch (Amazon Partner Link) Da wird das Thema Wildbienen sehr ausführlich behandelt.

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