Mitbewohner – Springschwanz

Ihre Kompostwürmer werden nicht lange alleine bleiben. Schon nach ein paar Tagen werden sich weitere aktive Mitbewohner ansiedeln. Aber keine Angst, fast alle von ihnen sind harmlos und helfen mit das „schwarze Gold“ schneller zu produzieren.

Schauen wir uns doch einmal an was sich da so alles tummelt.

Was man noch gut mit bloßem Auge erkennen kann, sind Springschwänze.
Mit diesen Tierchen werden wir uns heute einmal befassen.

Springschwanz (Collembola)

Springschwänze dürften in Ihrer Wurmfarm wahrscheinlich die häufigsten kleinen Gäste sein. Sie gehören, biologisch gesehen, zu den Sechsfüßern, sprich sie besitzen also sechs Beine, die größten erreichen 17 mm die kleinsten nur 0,1 mm. Die Tierchen lieben vor allem verrottendes Pflanzenmaterial und kommen weltweit in Humusschichten nicht zu trockener Böden vor. Sie mögen es halt gerne ein wenig feucht. Farbliche Unterschiede lassen sich leicht erklären, die, die sich auf der Oberfläche tummeln, sind eher dunkel gefärbt (ein wenig Tarnung muß schon sein) die, die im Boden hausen, sind eher hell bis weiß. In Europa gibt es um die 2000 verschiedene Arten, weltweit sind es wohle eher 8000.
Unsere mitteleuropäischen Wurmfarm-Mitbewohner zuhause haben meist eine Größe um die 2,5 mm und sind unschätzbare Futtervorbereiter, sie zerteilen nämlich die großen Pflanzenteile zu kleinen Pflanzenteile. (Falls Sie mal einen kleinen Springschwanz in Ihren Blumentöpfen finden, kein Grund zur Panik. Springschwänze sind ausschließlich auf zerfallenes pflanzliches Material fixiert. Lebende Pflanzenwurzel finden sie eigentlich nur „bäh“. Wenn Sie dann Ihre Springschwänze in den Töpfen auch ab und an mit „Totmaterial“ füttern, dann verbessern Sie sogar damit die Bodenfruchtbarkeit in ihren Blumentöpfen. Da der Teufel in der Not aber auch Fliegen frißt, werden ausgehungerte Springschwänze natürlich alles anknabbern was nicht niet- und nagelfest ist. Das nur als Zusatzbemerkung.)
Springschwänze krabbeln schon sehr lange über diese Erde, seit mindestens 400 Millionen Jahren wuseln sie sich durchs Erdreich. Sie sind damit die ältesten landlebenden Tiere und haben sich überall auf der Erde ausgebreitet (Zeit genug hatten sie ja). Sie kommen, wenn ihnen die Umgebung paßt, auch in Massen vor. Man kann auf einem Quadratmeter Boden zigtausende von den possierlichen kleinen Tierchen finden.
Springschwänze können bis zu einem Jahr alt werden, sich dabei um die 50 Mal häuten und bis zu 350 Eier legen. Die kleinen Springschwänze wiederum werden nach etwa einem Monat geschlechtsreif. Sie können auch in all ihren Lebensstadien überwintern.
Unterschiedliche Springschwanzarten besitzen unterschiedliches Lieblingsfutter, die meisten sind, wie schon erwähnt, Detritusfresser d.h. sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenmaterial, Exkrementen und Aas, andere wiederum bevorzugen Algen, Pilze, Pollen und Mikroorganismen. Damit erhalten sie ein günstiges Gleichgewicht der Bodenorganismen untereinander aufrecht. Wenn es zu viele Pilze und Bakterien und zu wenig Springschwänze im verrotteten Pflanzenmaterial gäbe, würde dies den Humusaufbau empfindlich stören. Manche Springschwanzarten können auch Schwermetalle aufnehmen und so kontaminierten Böden wieder neues Leben einhauchen. Manche, wie der Blumentopfspringschwanz, leistet in der Forschung nützliche Dienste. Er reagiert sehr Empfindlich auf Pestizide und Co und wird daher zur Erkennung der menschlichen Bodenverschmutzung eingesetzt.

Und warum heißt der Springschwanz nun Springschwanz? Springschwänze haben zum Flüchten oder falls ihnen das Krabbeln zu langweilig werden sollte, ein sogenannte Sprunggabel am Hinterleib. Damit können sie Sprünge von mehreren Zentimetern vollführen.