Bodenverdichtung im Garten

Da in letzter Zeit einige Fragen bezüglich Bodenverdichtung an uns herangetragen wurden, widmen wir mal einen Beitrag diesem Thema.
Ob unsere Würmer die richtigen sind um Böden aufzulockern, schreiben wir in einem zweiten Beitrag. Die Antwort lautet aber leider „nicht wirklich“.

Vielleicht sollten wir uns zunächst einmal klar werden was „Boden“ eigentlich bedeutet. Unser Wort „Boden“ stammt aus dem Althochdeutschen (bodam) und bezeichnet den obersten, belebten Teil der Erdkruste. Unter dem Boden befindet sich Gestein, auf dem Boden eine Vegetationsschicht (in den meisten Fällen, wenn der Gärtner einen grünen Daumen hat).

Boden an sich kann sehr unterschiedlich ausfallen (Lehm-, Sand-, Kalk-, Moorboden und noch viele weitere) aber ganz allgemein läßt sich sagen, daß Boden fast zur Hälfte aus einem mineralischen, anorganischen Anteil besteht, Bodenluft und Bodenwasser besitzt und ebenfalls einen kleinen, aber äußerst wichtigen Teil an Organik enthält. Jeder Boden besitzt auch seine eigene Bodenstruktur. Diese natürliche Bodenstruktur ist essenziell für den Wasser- und Lufthaushalt, die Durchwurzelbarkeit, und die Verfügbarkeit von Nährstoffen. Ganz einfach gesagt, ein zu dichter aber auch ein zu grober Boden sind schlecht. Ein guter Boden besitzt eine krümelige Oberfläche (= die Krume) und einen guten Anteil an Humus. Wobei man mit, „Humus“ nur die gesamte tote organische Materie meint. Bei einem krümeligen Boden gibt es auch genügend Durchlüftung.

Wenn es Boden verdichtet ist, also keine genügende Anzahl von kleinen bis kleinsten Bodenhohlräumen vorhanden ist, kommt es außerdem zu Staunässe, da das Wasser keinen Weg mehr findet, in tiefere Zonen zu versickern. Da dann auch Sauerstoff zur Mangelware wird, sind wichtige Abbauprozesse (bei denen Mikroorganismen eine tragende Rolle spielen) in ihrem Ablauf stark gehemmt und es kommt zu Moder und Fäulnis.
In einem stark verdichteten Boden nimmt die Anzahl der Bodenorganismen auch rapide ab. Diese Bodenorganismen sind aber das „A“ und „O“ für die Eigenschaften des Bodens. Sie entscheiden sozusagen über die Fruchtbarkeit und die Struktur des Bodens. Sie sind sehr wichtig für eine Durchmischung des Bodens, ebenso wandeln sie abgestorbene organische Substanzen (tote Lebewesen, Wurzeln, Pflanzenreste etc.) um, und sind auch für den Abbau dieser Organik verantwortlich. Dabei werden wichtige Nährstoffe (z.B. Bildung und Umwandlung von Stickstoff) und Mineralien freigesetzt, die Pflanzen unbedingt für ihr Wachstum und ihre weitere Entwicklung benötigen. Gleichzeitig werden durch die Bodenorganismen stabile Humusverbindungen aufgebaut, diese führen zu einer Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit. Auch wird das Ausgangsgestein, das sich ja unter dem Boden befindet, durch Stoffwechselprodukte angelöst und verwittert.
Regenwürmer (Lumbricus terrestris), nicht zu verwechseln mit unseren Kompostwürmern (Eisenia fetida), meiden verfestigte Böden, weil es sie zu viel Energie kosten würde, diesen wieder aufzulockern und wieder „bewohnbar“ zu machen. Auch Pflanzenwurzeln meiden aus diesem Grund verfestigte Böden, und breiten sich in diesen, wenn überhaupt, nur an der Oberfläche aus und sind dementsprechend anfällig für Trockenheit und Windwurf.

Was kann man also tun, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und man im Gartenbeet anstelle eines schönen krümeligen Bodens eher auf etwas stößt, das an Beton erinnert? Dann hilft alles nicht und Muskelkraft muß ran. Auf alle Fälle sollte der Boden mindestens spatentief aufgelockert werden. Entwerder mit einem Spaten, oder wenn der Boden nicht ganz so hart ist, mit einem Sauzahn. (Wenn der verdichtete Boden allerdings durch schweres Baugrät verursacht wurde, muß so tief gelockert werden, wie es hart ist. Sehen sie es mal so, andere gehen ins Fitneßstudio und zahlen Geld, Sie haben es umsonst und vor der Haustüre).
Am besten wäre es noch „frische“, gute Erde miteinzuarbeiten (wenn es sich um einen schweren Lehmboden handelt, täte ein Sack Sand auch nützliche Dienste leisten) und last but not least Kompost, in ordentlichen Mengen. Und dann mulchen, mulchen, mulchen.

Mulchen, das schafft nämlich die Umgebung für die Bodenbewohner, dann können Würmer (alle Arten – auch unsere) sich mehr bewegen, und haben was zum Futtern.  Wir empfehlen natürlich auch unseren guten Wurmkompost unterzumengen, aber nur in Maßen, nicht in Massen. Viel hilft nicht immer viel.
Und alles immer leicht feucht halten. Bei einem knochentrockenen Boden hilft auch das liebvollste Mulchen und Kompostieren nicht.
Und bitte nicht keine Wunderdinge erwarten. Der Boden ist kein Wunderwuzzi und nämlich immer noch verdichtet. Es müssen sich erst wieder Mikroorganismen, Regenwürmer und Co ansiedeln und Nährstoffe bilden. Am besten wäre es auf den behandelten Boden Feldfrüchte anzubauen, die den Boden auch in tieferen Schichten auflockern. Rettiche sind da sehr gut, auch Kartoffeln. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.  Auch Gründüngung dazwischen macht Sinn. So wie etwa Buchweizen, Gelbsenf (aber nicht zum Rettich, die vertragen sich nicht), Lupine und vieles mehr.
Und im Jahr darauf klappt es vielleicht schon mit dem Gemüseanbau.
Und lernen Sie den Maulwurf lieben, denn der tut es umsonst, den Boden auflockern!